Ist die Einteilung in globale und lokale Muskulatur längst überholt?

Die Unterteilung der Rumpfmuskulatur in globale und lokale Muskeln ist nach wie vor gängig. Dabei wird den gelenknahen, lokalen Muskeln eine besondere Bedeutung hinsichtlich der segmentalen Stabilisation zugesprochen. Durch ihre direkte Verbindung mit den Wirbelkörpern, sollen sie maßgeblich für Gelenkstabilität und Haltung verantwortlich sein. Als globale Muskeln werden die großen, oberflächlichen Muskeln bezeichnet, welche der motorischen Bewegungsfunktion dienen, wie beispielsweise der Musculus rectus abdominis.

  • Vernachlässigung der lokalen Muskulatur bei klassischem Krafttraining – Evidenz?
  • Gezieltes Training der lokalen Stabilisatoren – wissenschaftlicher Nachweis?
  • Globale und lokale Rumpfmuskulatur als funktionelle Einheit
Ist die Einteilung in globale und lokale Muskulatur längst überholt

Bei den klassischen Kräftigungsübungen für die großen Muskelgruppen, würden die tieferliegenden nicht ausreichend trainiert werden. Es könne durch unausgewogenes Krafttraining mit Schwerpunkt auf den globalen Mobilisatoren sogar zu eingeschränkten Bewegungsmustern kommen. Um diese Annahmen zu belegen, fehlt jedoch jegliche Evidenz. Als gutes Beispiel können KraftsportlerInnen herangezogen werden, bei welchen keine Nachweise muskulärer Defizite der lokalen Stabilisatoren vorliegen. Viele Autoren postulieren außerdem eine gezielte Kräftigung und Ansteuerung der lokalen Stabilisatoren, vorrangig des M. transversus und der Mm. multifidi. Durch „funktionelle“ Übungen sollen die gelenknahen Muskeln isoliert trainiert werden. Ob und inwiefern das möglich ist, ist bis dato nicht bewiesen.

Oft heißt es außerdem, die globale Muskulatur hätte keinen Einfluss auf die lokale Stabilisation. Diese Aussage kann jedoch auch klar widerlegt werden. Die lokalen Muskeln wären viel zu schwach, um allein für Stabilität zu sorgen. Sie sind daher auf die Mitarbeit der globalen Muskeln angewiesen.

Die Trennung in globale und lokale Muskeln ergibt sich wenn aus anatomischen Gesichtspunkten, nicht aber aus funktionellen. An der Stabilisation des Rumpfes sind alle Rumpfmuskeln in unterschiedlichem Ausmaß beteiligt, abhängig von der Belastung und der Bewegungsrichtung. Globale und lokale Stabilisatoren stellen daher eine funktionelle Einheit dar, die auch als solche trainiert werden soll.